Prolog

Buchzeichen-201020541341

Hallo liebe Leser,

es ist soweit. Der erste Blogeintrag – genau vier Monate bevor meine Reise beginnt. Viele haben mich schon darauf angesprochen, warum es hier so ruhig ist, aber so richtig los geht es wahrscheinlich auch erst, wenn ich dann auf der anderen Seite des Ozeans bin. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was denn dem allerersten Beitrag gebühren sollte und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich am Anfang anfangen sollte. Und der Anfang ist nicht das erste Kapitel meines Auslandsjahres und allem was so an Vorbereitung dazu gehört, sondern eher, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Also – viel Spaß beim Prolog von „Lou in Mexiko“:-)!

Das Thema Auslandsjahr ist für mich eigentlich erst so richtig in der Oberstufe präsent geworden. Vorher habe ich durch meine behütete Umgebung, meinen Freundeskreis und meine zahlreichen Hobbies nie so das Verlangen verspürt in die Welt hinauszufliegen. Aber dann war sie plötzlich da: Die Frage „Was mache ich nach dem Abitur?“…… und dass Papa sich wünscht, seine Tochter würde mal ein bisschen die Welt erkunden und die Fühler ausstrecken, bevor sie sich in das Abenteuer Studium oder Ausbildung stürzt, wusste ich ja. Also dachte ich mir „Das hört sich doch gut an“.

Ich habe mich dann ein Wochenende hingesetzt, Kontakt mit Freunden aufgenommen, die auch ein Jahr im Ausland waren und selbst im Internet recherchiert. Für mich war klar: Ich möchte nach Peru. Oder in ein anderes spanisch-sprachiges Land, weil ich mich in der Oberstufe entschlossen habe, statt Englisch Spanisch weiter zu machen. Aber am liebsten war mir Peru. Mein Interesse für Peru und eigentlich damit auch so richtig für ein Jahr im Ausland wurde durch das Buch „Plötzlich in Peru“ (S.! Unser Lieblingsbuch!:-) )geweckt, das meine Mama mir mal mitgebracht hatte. In dem Buch geht es um eine Abiturientin, der sich ganz spontan die Möglichkeit eröffnet, für drei Monate nach Peru zu gehen.
Ich habe mich dann auf der weltwärts-Homepage (weltwärts ist ebenfalls ein Förder-programm für Freiwilligendienste) nach Organisationen, Projekten und natürlich Ländern umgeschaut und schließlich ICJA gefunden, dessen Leitbild (s.o. „ICJA e.V.“) mich überzeugt hat.

Doch dann rückten die Bewerbungsfristen immer näher und näher und ich stellte mir schließlich die Frage „Willst du das wirklich? Ein ganzes Jahr lang so weit weg von zu Hause? Weg von deiner Familie, deinen Freunden, deinen Hobbies? Fühle ich mich dafür erwachsen und reif genug?“ Meine Zweifel kamen daher, dass ich mich hier momentan so pudelwohl fühle und so viele tolle Dinge machen darf, die ich liebe. Ich habe meine besten Freundinnen, mit denen ich wirklich über alles reden kann, ich habe meine vier Großeltern, meine Familie, meinen Freund. Ich bin zusammen mit einer Freundin Tanzlehrerin von insgesamt 50 acht – zwölfjährigen Kindern in zwei Guppen, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind. Ich gehe in der Musicalcompany des Jungen Musical Braunschweigs voll auf, da wir inzwischen alle so zusammengewachsen sind, und viele andere Dinge. Aber kann ich ein Jahr lang ohne diese Dinge leben? Und was verpasse ich nicht alles hier? Den achtzigsten Geburtstag meiner Oma, die Silberhochzeit meiner Eltern, den zwanzigsten Geburtstag der besten Freundin, den sechzehnten der kleinen Schwester, achtzehnte Geburtstage, die neuen Musicalproduktionen meiner Kleinen zusammen mit Rolf Zuckowski,… . Aber dann wurde mir klar, dass immer irgendetwas sein wird. Und dass ich irgendwann trotzdem von zu Hause weggehe, um zu studieren. Vor diesem Abschied und dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes würde ich also nicht davonlaufen können, so schwer die Vorstellung davon auch sein mag. Außerdem: Wann kann ich das schon nochmal machen? Ein ganzes Jahr im Ausland, eine neue Kultur kennenlernen, Erfahrungen machen, ein bisschen Freiheit genießen und dabei nicht an die Schule oder Uni gebunden sein. Mut gemacht hat mir dazu auch der Satz „Nur derjenige, der aufbricht, kann sein Leben fruchtbar machen.“

Den letzten nötigen Stupser hat mir dann ein Freund meiner Eltern gegeben, der meinte, er hätte über den CVJM Kontakte nach Peru und würde mir helfen, dort eine Bewerbung für ein Volontariat zu schreiben. Das mit dem Volontariat in Peru hat zwar letztendlich nicht geklappt, aber meine Abenteuerlust war wieder geweckt und ich habe in letzter Minute meine Bewerbung für ICJA abgeschickt, mit der Länderwahl Neuseeland, Costa Rica, Dominikanische Republik.

Einen Monat später kam dann die vorläufige Zusage mit Einladung zu den Informationstagen in Friedrichroda. Dort bin ich dann am 10. Januar hingefahren und habe mich sofort wohl gefühlt. Die Atmosphäre dort war so herzlich mit den Teamern, den Leitern und den anderen Freiwilligen, mit denen ich auch immer noch Kontakt pflege. Ich habe es wirklich genossen, mal mit anderen sprechen zu können, die genau vor der gleichen Entscheidung stehen wie ich. Dort wurde dann meine Auslands- und Freiwilligendienstlust endgültig geweckt, weil ich aus den Gesprächen mit den Teamern, Leitern und Freiwilligen einfach Energie, gute Laune und vor allem Vorfreude schöpfen konnte. So kam es dann auch zu meiner Länderumentscheidung. Eine der Teamerinnen war im Jahr zuvor in Mexiko und hat mir einfach so viele tolle Dinge erzählt, dass ich einfach das Gefühl hatte: Mexiko! Das ist die richtige Wahl. Und ab da war es für mich dann eigentlich klar. Ich möchte nach Mexiko gehen. Und als ich das gedacht habe, hatte ich einfach das richtige Bauchgefühl. Als dann die endgültige Zusage für Mexiko im Februar kam – ich habe gefühlt alle fünf Minuten meine Emails gecheckt – war die Freude natürlich riesig.
Natürlich bekommt diese Vorfreude immer wieder kleine Dämpfer durch einige Reaktionen von anderen, die ungefähr so ablaufen: „Und, weißt du schon was du nach dem Abi machen möchtest?“ „Ja, ich gehe für ein Jahr ins Ausland.“ „Und wohin?“ „Nach Mexiko:-)!“ „WAS?! Du gehst nach Mexiko?! Du kannst nicht nach Mexiko gehen!! Das ist viel zu gefährlich!“
Da kommt man dann natürlich schon ins grübeln, aber durch die Gespräche mit meiner Organisation und anderen Freiwilligen weiß ich, dass viele Meinungen durch Medien beeinflusst sind und man sich einfach selbst ein Bild von dem Land machen muss und man ein Teil des Landes wird, wenn man erst einmal da ist. Und natürlich kann es auch an jedem anderen Ort gefährlich werden. Viel wichtiger ist außerdem für mich, dass die Menschen, die mir wichtig sind, hinter mir stehen und mich unterstützen. Inzwischen kann ich mit diesen Reaktionen auch umgehen und lasse mir dadurch meine Vorfreude nicht nehmen. Ich antworte dann immer mit den Worten von Sijuve, der mexikanischen Partnerorganisation, „Es gibt nur ein Mexiko –  und das ist wunderschön, wenn man es kennen und lieben gelernt hat“ und mit denen meiner Patin von ICJA, die vorletztes Jahr in Mexiko war und immer wieder ins Schwärmen kommt, „weil Mexiko einfach ein Land der Vielfalt ist„.

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