My Mexican Way Of Life – Klappe die Erste

Family isn’t always blood. It’s the people in your life who want you in theirs; the ons who accept you for who you are. The ones who would do anything to see you smile and who love you no matter what.

Diese weisen Worte hat mir meine kleine Schwester in einem Büchlein, das ich glaube ich auch schon einmal erwähnt habe, mit auf den Weg nach und für Mexiko gegeben. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann sagen diese Worte doch genau das aus, was ich fühle. Für mich gehören zu meiner Familie auch meine engsten Freunde in Deutschland, mein bester (fast) großer Bruder N. und jetzt auch meine Gastfamilie, die mir jeden Tag zeigt, dass sie sich freut, dass ich hier bin. Blutsverwandschaft macht eben nicht alles aus (Trotzdem liebe ich meine drei Honeybees in Good Old S. natürlich über alles;)).

Also Bühne frei für „The Mexican Way of Life“ und meinen  – manchmal doch noch recht abenteuerlichen – Alltag:

Dass ich eine super tolle Gastfamilie habe, wisst ihr ja schon. Dann verstehe ich mich aber auch sehr gut mit den Freunden meiner Gastschwester Ana, die mich hier alle sehr herzlich willkommen heißen. Dank ihnen wurde ich hier auch schon mit der einen Bar oder dem anderen Café bekannt gemacht:

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Und da hier die Familie einen sehr großen Stellwert hat, hat es natürlich auch nicht lange gedauert, bis ich mit dem einen oder anderen Familienmitglied konfrontiert wurde – und da meine Gastmum 11 Geschwister hat, gibt es da viele… . Auf dem 15. Geburtstag eines Familienmitglieds (der 15. Geburtstag ist hier DER Geburtstag, der sehnlichst erwartet wird und auch dementsprechend mit allem was dazu gehört gefeiert wird), ich habe leider vergessen in welchem Grad die Verwandschaft besteht, habe ich dann also gefühlt 50 Cousins meiner Gastmutter kennengelernt und wurde mit offenen Armen empfangen.

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Wo ich dann gerade schon bei fiestas bin, schließe ich gleich mal mit dem día de Independencia (Unabhängigkeitstag), dem 16. September an. Die fiesta mexicana wird in der Nacht vom 15. auf den 16. zelebriert, weshalb meine Mädchen aus dem Projekt an diesen beiden Tagen zum Beispiel auch nicht zur Schule mussten. Ich habe die fiesta mexicana mit den Mitgliedern und anderen Freiwilligen meiner Organisation und unseren Gastfamilien zusammen gefeiert: Mit typisch mexikanischem Essen, passender mexikanischer Kleidung, Tequila und viel guter Laune.

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Am 16. bin ich dann morgens mit dem Combi mit meiner Gastmama zur Avenida Central gefahren, weil dort ein Aufmarsch von Militär, Polizei, Rettungseinheiten, sämtlichen zu diesen Diensten gehörenden Kraftfahrzeugen plus Hund und Pferd und  Schulen stattgefunden hat – sehr eindrucksvoll (die Fotos zeigen nur einen kleinen Auschnitt dessen, was sich dort abgespielt hat):

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Erst einmal natürlich die Masse, dann aber auch der Lärm, wenn die Sirenen demonstriert wurden, die Vielzahl der Berufe die es in diesem Bereich gibt – obwohl es ehrlich gesagt doch etwas einschüchternd und beängstigend ist, wenn an einem eine Truppe schwer bewaffneter Menschen vorbeimaschiert (auch wenn mein Gehirn mir versucht hat, die Botschaft zu vermitteln, dass die Gewehre höchstwahrscheinlich nicht geladen sind…).

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Wenn dann mal keine Fiesta ansteht – ich hatte das Glück, anscheinend genau in der Fiestazeit angereist zu sein, denn ich bin ja gerne unter Menschen:-) – lebe ich meinen ’normalen‘ Alltag. Dieser setzt sich momentan vor allem aus meinem Spanischunterricht und dem Projekt zusammen. Jeden Montag und Mittwoch gehe ich zu Fuß von meinem Haus…

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…zur UNACH, der Universität, an der ich zweistündigen Spanischunterricht bekomme:

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Und dann bin ich jeden Tag bis um sechs Uhr abends im Projekt:

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Meine Mitfreiwillige Elisabetta aus Italien und Ich nach dem Schälen von Papayas.

Dazu aber in den nächsten Tagen mehr, da dieser Eintrag schon so lang ist.

Ansonsten genieße ich hier mein mexikanisches Leben in vollen Zügen. Obwohl es einige Sachen gibt, die man wissen sollte:

1. Die mexikanische Uhr läuft grundsätzlich langsamer als die deutsche. Das heißt: Ist man typisch deutsch pünktlich zur verabredeten Zeit an Ort und Stelle, wartet man mit unter mal gut 30 – 60 min. Heißt es „in 20 min“, dann kann man sich auf 40 einstellen.

2. Blaue Augen sind hier was besonderes. Man sollte sich als Blondchen also auf Komplimente gefasst machen. Dabei sollte man aber zwischen einem „Hola! Qué bonita eres!“ – beispielsweise eines Bauarbeiters – das einem auf der Straße hinterhergerufen wird (noch angenehm im vergleich zu Küssen, die einem aus fahrenden Autos zugeschmatzt werden oder gefühlt von allen männlichen Studentenugen der Uni verfolgt zu werden, die förmlich an einem zu kleben scheinen, wenn man in unbekannten öffentlichen Gebäuden nicht gerne im Mittelpunkt steht) und wirklich ernst und nett gemeinten „Tus ojos son muy bonitos!“

3. In der Regenzeit sollte man es nicht wagen, das Haus ohne Regenschirm zu verlassen, denn schon mit kommt man nicht trocken am Ziel an, da die Straßen sich blitzartig in Flüsse verwandeln.

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In diese nette Regenwolke bin ich vorgestern geraten.

4. Das Toilettenpapier wirft man hier nicht in die Toilette, sondern in den Mülleimer.

5. Sagt dir ein Mexikaner, dass das Essen nicht wirklich pica (scharf) ist, dann glaub ja nicht, dass seine Vorstellung von pica deiner entspricht.

6. Man sollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern sich daran gewöhnen: Wirklich alle haben ihr Handy auf laut eingestellt, sodass ein munteres Pling ein steter Alltagsbegleiter ist.

7. Nicht aussteigen und Anstalten machen, das Auto selbst zu tanken. Dafür gibt es hier – wie zum Beispiel auch in Supermärkten, wo Leute an der Kasse stehen und deinen Einkauf selbstverständlich in Tüten verpacken – Minijobs (zumindest glaube ich, dass es sowas wie Minijobs sind – die einem das Leben hier natürlich bequemlicher machen – mein Favorit ist die Einparkhilfe im Parkhaus:-)!)

8. Alle Menschen, die ich bis jetzt hier kennen gelernt habe, sind sehr gastfreundlich, herzlich und offen. Ich erlaube mir hier jetzt mal, mein Bild von Mexikanern etwas zu verallgemeinern: Hier werden grundsätzlich in jeder Situation Gracias und De nada gesagt, was auf mich einen sehr höflichen Eindurck macht. Jedoch ist es für mich als Deutsche manchmal auch sehr schwer, da die Mexikaner trotz ihrer offenen Art eher durch die Blume sprechen – Kritik wird also nicht direkt geäußert.

Im Grunde lebt es sich hier sonst wie in jeder anderen Großstadt auch – …

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…bis auf das Baustellenchaos in das die Regierung vor Ort alle Hauptstraßen verwandelt hat und das das Auto und Busfahren manchmal echt anstrengend macht, da natürlich alles langsamer geht und die vielen Schlaglöcher die Fahrt in ein durchrüttelndes Unterfangen verwandeln.

Mit den Combis…

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…kenne ich mich inzwischen mehr oder weniger gut aus und kann alleine zur Mall (rechts auf dem Bild) an der Avenida Central (eine der Hauptstraßen)…

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OXXOs – kleine Supermärkte, die 24 Stunden geöffnet haben: gibts gefühlt in jeder Straße

oder zum Parque de la Marimba fahren,…

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wo man abends zu Marimbamusik tanzen kann oder dem Treiben von einem der Cafés aus zu schauen kann.

Am Wochenende unternehme ich viel mit den anderen Freiwilligen, mit denen ich mich inzwischen wirklich gut angefreundet habe und sie somit hier neben meiner Familie zu meinen wichtigsten Menschen gehören. Letztes Wochenende waren wir an einem zwei Stunden von Tuxtla entfernten Wasserfall:

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Auf den Stufen des Wasserfalls kann man bis nach ganz hinten laufen und wenn man dann mitten im Wasserfall sitzt und dieses Naturwunder auf sich wirken lässt, ist es beinahe zu schön um wahr zu sein – fast wie bei Tarzan und Jane, nur dass es Wirklichkeit ist.

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links: Mein Mitfreiwilliger Ben

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Und da habe ich dann einfach nur gedacht: Ich bin froh, hier zu sein!

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3 Kommentare zu “My Mexican Way Of Life – Klappe die Erste”

  1. UNd wieder mal vielen Dank fuer Deine so anschaulichen BErichte. Alles alles Liebe aus Schottland nach Mexico von uns allen Scott’s
    Sei gedrueckt
    Mirabelle VIviana

  2. Hallo Lou!
    Ich bin’s, Alina von Jumubs (PCP).
    Ich lese mir alle deine Posts durch und bin begeistert! Du kannst wundervoll schreiben und du bringst uns deine Erlebnisse nahe. Vielen Dank dafür!!! Ich wünsche dir eine unvergessliche Zeit in Mexiko und noch weitere Erfahrungen, die du nie vergessen wirst ♡
    LG,
    Alina!

    1. Hallo Alina!(:
      Ich freue mich wirklich sehr über deinen Kommentar und die positive Rückmeldung. Singt und Tanzt für mich mit bei Jumubs♥
      Liebste Grüße aus Mexiko,
      Lou

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