Wenn du plötzlich den Herbst vermisst

…alles um dich grau und trist.
Wenn du die Farben, Gerüche und Familie vermisst,
und einfach gerade traurig bist.
Wenn Nichts und Niemand dir Freude macht,
und keines deiner Augen lacht.
Wenn alles in dir nach Fernweh schreit,
und Zuhause und Freunde sind doch so weit.

Wenn Träume plötzlich unmöglich werden,
und damit ein bisschen Glück gefährden.
Wenn deine Seele sich vom Heimweh verzerrt –
Dann gib nicht auf und hör auf dein Herz.

So oder so ähnlich ging es mir in den letzten Wochen. Da merkt man dann schon, dass auch Deutschland seine wunderschönen Seiten hat; obwohl ich ja vorher nie gedacht hätte, dass man es vermissen kann, sich warm anzuziehen, eingemummelt draußen in einem Cafe bei Sonnenschein einen Kaffe zu trinken, Apfelkuchen zu essen und durch die Laubfärbung zu spazieren während einem eine Herbstbrise durch die Haare streicht , wenn es dann plötzlich warm wird und man die Jacke wieder auszieht – wenn man doch quasi das ganze Jahr Sommer hat…

Vor einer Woche waren wir anlässlich eines Musik-,Kultur,-Tanz- und Kunstfestivals in San Cristobal, was mir als Musikfanatikerin natürlich das Herz hat aufgehen lassen. So hat man dann wieder eine neue Band kennengelernt, neue Musik, ein neues wunderschönes Hostel, eine richtige Bäckerei…

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und ein kleines, niedliches vegetarisches Restaurant.

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Und dann sitzt du da, das Wetter ist doch etwas herbstlich, trinkst einen Kaffee und plötzlich fällt dir auf, dass dich Norah Jones, die im Hintergrund läuft melancholisch stimmt und dich an etwas erinnert: An Herbstferien an der Ostsee, an gemütliche, kuschelige Tage im kalten Deutschland, an Nachmittage bei Omas und Opas….und dann ist es da das Heimweh…ganz heimlich und plötzlich hat es sich angeschlichen.

Hier wechselt jetzt mit der Zeitumstellung auch das Wetter: Die letzten zwei Wochen war es eigentlich fast immer grau und bewölkt, hat ab und zu geregnet und meine Stimmung ebenfalls bedeckt. Aber immerhin sinken damit jetzt auch die Temperaturen und ich verlasse das Haus morgens nicht mehr ohne Jacke – man gewöhnt sich ja dann doch etwas an die Hitze und fängt abends bei 20 Grad an zu frieren. Leider gibt mein Kleiderschrank hier aber nur Sommersachen und ein zwei Pullis her, sodass ich mit meiner Gastschwester Ana letztes Wochenende erst einmal eine kleine Spontanshoppingtour im Plaza gestartet habe und jetzt im stolzen Besitz einer langen (!) Jogginghose und einer kuscheligen Flauschjacke bin, die ich gar nicht mehr ausziehen will – und das obwohl wir doch eigentlich nur die Zutaten für den deutschen Apfelkuchen im Supermarkt kaufen wollten….wo dann auch noch ein Nutellaglas auf dem Kassenband gelandet ist.

Inzwischen habe ich meine Lebenslust wieder gefunden, meine doch existierenden Fähigkeiten als Küchenfee entdeckt (normalerweise bin ich in der Küche hoffnungslos verloren und mein Erfahrungshorizont beschränkt sich eher auf Browniebackmischungen, Nudeln, Spiegeleier und Quesadillas) und zusammen mit meiner Gastschwester Ana einen – einfach perfekten; schmeckt genauso wie in Deutschland bei Mama – Apfelkuchen gezaubert:

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Ich kann nicht genau sagen, warum ich in dieses kleine Tief gerutscht bin, vielleicht habe ich einfach mein Ziel aus den Augen verloren, mich in meinem Trübsaal verkrochen und die Welt um mich herum einfach weiter laufen lassen ohne wirklich in mich zu horchen und herauszufinden, was ich eigentlich gerade will. Natürlich ist ein Freiwilligendienst in einem anderen Land nicht immer einfach und schön, es ist anstrengend und man kommt manchmal auch an seine Grenzen. Aber genau dann muss man sich auch wieder aufrappeln können und darauf hören, was einem die innere Stimme sagt, was das Herz braucht um wieder glücklich zu sein – und sich bewusst machen, dass Deutschland ja nicht wegrennt und es doch schön ist, dort Dinge zu haben, auf die man sich schon wieder freuen kann, aber jetzt dieses Jahr hier in vollen Zügen genießen sollte – denn diese Zeit hier ist endlich, sie läuft.

Ich war dann mit Ana und ein paar Freundinnen Sushi essen – meine neue Leidenschaft – und dort haben wir dann später auch meine Mitfreiwilligen angetroffen. Da merkt man dann doch, wie wichtig zwischenmenschlicher Kontakt ist und Freundschaft Balsam für die Seele.

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Mit meinen Mitfreiwilligen habe ich einen DVD-Abend gemacht, am Wochenende waren wir abends in ei paar Bars und ich habe hier endlich Zeit, mich intensiv mit meinem Studiumswunsch auseinander zu setzen,zu recherchieren, in mich zu horchen. Ich merke doch, dass ich in Deutschland nie wirklich einen freien Kopf dafür hatte, ständig hat irgendwas meine Zeit in Anspruch genommen: Bewerbungen fürs Voluntariat, Abi, Klausuren, Geburtstage, Abiball, Proben, und und und. Hat man dann mal einen freien Abend, liest man lieber ein Buch oder guckt einen Film. Das ist eine Sache, die ich wirklich genieße und auch zu schätzen gelernt haben, mal wirklich ein bisschen mehr Zeit für sich zu haben – und trotzdem ausreichend Zeit für Dinge, die man gerne macht – um einfach mal zu entspannen – eben weil ich gerade nicht für Klausuren lernen muss, mich nicht mit der Organisation von irgendwelchen Anlässen beschäftigen muss, keine Bewerbungen schreiben muss.

Im Projekt helfe ich, das Weihnachtsprogramm vorzubereiten; übe mit meinen 6 kleinen Ballerinas einen Tanz, soll ein deutsches Weihnachtslied singen und möchte vielleicht mit ein paar Mädchen noch ein Weihnachtsstück zusammen einstudieren. Auch hier habe ich jetzt also wieder ein Ziel vor Augen.

Diese verschiedenenPhasen, in denen ich mich befinde, sind aber alle wichtig, auch die, die wehtun. Denn man lernt aus allen – ganz besonders, was man braucht um glücklich zu sein und das es wichtig ist, Dinge zu haben, an denen man sich festhalten kann und auf die man sich freut.

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2 Kommentare zu „Wenn du plötzlich den Herbst vermisst“

  1. Danke dir, Lou. Du sprichst mir aus der Seele! Nur das ich es nicht so gut auszudruecken vermag :)
    Und trotz all den kleinen Hindernissen, ist es jetzt schon eine Erfahrung, die ich definitiv nicht missen will.

    1. Miiiiriii! Bin so froh zu hören, dass es euch ähnlich geht. Da fühlt man sich doch gleich verbunden und nicht mehr so alleine. Und danke für deinem so lieben Kommentar. Liebste Grüße und eine lange Umarmung von MEX nach CR!❤️

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