Reisen Auf Mexikanisch

….ein kleines Reisetagebuch:

Tag 1: Freitag, 14. November 2014 – Die Reise beginnt

Das typische Reisetransportmittel in Mexiko ist der Bus. Ich saß also, Rucksack, Tasche und Umhängetasche mit den wichtigsten Sachen fertig gepackt im Wohnzimmer meiner Mitfreiwilligen, deren Eltern aus Italien zu Besuch waren, mit den anderen zusammen beim Abendessen. Um halb 12 hieften wir uns und unser Gepäck auf die Ladefläche des Autos. Keine 5 Minuten später kamen wir mit der belustigten Aussage von der Gastmutter meines Mitfreiwilligen „Dein Ernst? Hier ist das schon, ich dachte das wäre weiter und deshalb sollten wir euch fahren!“
am Busbahnhof an. Nochmal schnell umarmt und geknuddelt und 11 Stunden, inklusive Pass-und Visakontrolle nachts an der Staatsgrenze (bei der ich ja dann ehrlich gesagt doch ein bisschen Angst hatte, ich sehe mein iPhone, auf dem ich eine Fotografie meines Visas abgespeichert hatte, nicht wieder, mit dem der mexikanische Sicherheitskontrolleur in einem kleinen Häusschen verschwand), betrat ich dann zum ersten Mal oaxaqueñischen Boden.


 

Tag 2: Samstag, 15. November 2014 – Ankunft in Oaxaca

IMG_7810

Freundlich – mit Kaffee und Gebäck – begrüßten uns die Hotelinhaberinnen und die sonnendurchflutete Terasse, umramt von duftendem Oleander ließ in mir dann doch ziemlich schnell das wohlbekannte Sommerurlaubsgefühl aus Spanien hervorbeschwören – Sommer im November. „Ihre Augen – wie von einer Katze.“ bekam ich dann gleich ein Kompliment – so startet man einen Urlaub doch gerne.

Ich verstaute Stadtplan und Sonnenbrille in meiner Tasche, zog mir eine Jacke über – die ich mir nach 5 Minuten schon wieder auszog und gegen meine Sonnenbrille eintauschte. Unser Ziel? Erstmal ins Zentrum. Wir liefen an Architektur im Kolonialstil vorbei und ich verstieß dann doch gegen mein Vorhaben, erst einmal zu genießen und morgen erst zur fotografischen Technik zu greifen, aber meine Augen nahmen einfach zu viele Motive war.

Oaxaca de Juárez

Wir schoben uns also durch die Massen, die sich um die vielen Stände am Zócalo und in den Fußgängerzonen versammelt hatten, hielten an einem kleinen Café, um den Kaffee aus der Region zu probieren und beobachteten vom Straßenrand aus das Treiben:

Oaxaca de Juárez_2 Oaxacaiphone 019

pompöse Hochzeitsmärsche, Einheimische die ihre Waren anboten, wie die Sonne sich am Himmel tiefer neigte.

Oaxacaiphone 024


 

Tag 3: Sonntag, 16. November 2014 – Ein bisschen Stadt & Kultur

Oaxaca de Juárez

Dank unseres Studentenausweises ließen uns sämtliche Museen umsonst eintreten.

Während wir so durch die Stadt schlenderten und Museen passierten, fielen besonders an der Santo Domingokirche die Plakate, die Namen und Gesichter der 43 verschwundenen Studenten aus Guerrero abbildeten, auf, die aber auch sonst in der Stadt an Hauswänden Aufmerksamkeit erregten. In Tuxtla hat man davon bis jetzt auf diese Weise eher wenig mitbekommen. Aber auch sonst. Ich habe das Gefühl, Deutschland wäre bereits weitaus besser informiert als wir – sodass mir meine Mama dank der Nachrichten eine detaillierte Mail schickte. Hier scheint die Regierung zu schweigen. Das Volk nicht. So bekommt man dann von anderen Freiwilligen in anderen Orten und durch die Gastfamilie mit, dass es bereits Aufstände und Proteste gibt. In den Nachrichten wird dem Ganzem aber nicht so viel Gewicht verliehen. Fest steht, dass die mexikanische Bevölkerung – zumindest der Teil davon, den ich kennengelernt habe – nicht wirklich zufrieden ist mit der aktuellen Regierungsituation und ebenfalls Korruption ein großes Thema zu sein scheint. Mexiko hat also nicht nur eine – bunte und schillernde – Seite (die in meinen Beiträgen aber vielleicht überwiegen wird, da ich bis jetzt – glücklicherweise – eher diese erlebe und auf die ich gleich aus Touristiksicht noch einmal zu sprechen komme), sondern auch eine weniger transparente, dunkle und graue Seite. Ich lerne beide kennen. Die eine mal mehr, die andere mal weniger. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich mich hier in Mexiko – genauer: in Tuxtla – nicht unsicher fühle, solange man das Schicksal nicht herrausfordert. Mexiko ist mein zweites Zuhause geworden und ich finde es schade, dass man es oft nur einseitig kennenlernt: Sei es durch die Medien, die Mexiko meiner Meinung nach überwiegend von der dunklen Seite darstellen oder den Urlaub an der Karibikküste, von dem man wiederkehrt und meint, Mexiko jetzt zu kennen. Und dabei hat man doch das wirklich authentische Mexiko noch gar nicht richtig kennen gelernt.


 

Tag 4: Montag, 17. November 2014 – Fernblick

„Aber ich würde sagen, wir organisieren das einfach alleine und machen nicht so eine Tour.“, da waren Ben und ich uns, was unser nächstes Ziel anging – irgendwelche Wasserfälle, mehr wussten wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht wirklich – einig, liefen guten Mutes zum uns verwiesenen Punkt, wo die Taxis hielten und bekamen auch sofort eins. Was ich aber nicht sofort verstand, war, dass es sich hierbei um colectivotaxis handelte, wir also ziemlich schnell nicht mehr zu zweit, sondern zu sechst im Auto saßen. In Mitla warteten wir dann auf andere Menschen, die sich mit uns das nächste Transportmittel bis zu Hierve el Agua teilen würden. „Mindestens 6 Leute mehr“ , teilte uns der Fahrer gelassen mit, „wir müssen nur ein kleines bisschen warten.“ Also warteten wir. Und warteten. Und….warteten. Als wir dann schließlich schon beschlossen hatten, dass wir jetzt genug gewartet hätten und uns jetzt einfach nur die Stadt Mitla anschauen würden, kamen sie schließlich – alle  sechs aufeinmal. Nach einer Stunde ließ uns der Fahrer gefühlt irgendwo im Nirgendwo raus – aber ein wunderschönes Nirgendwo.

Oaxacaiphone 039

Oaxacaiphone 040

Hierve el Agua_5

Wir liefen den Weg immer geradeaus weiter, vorbei an Eseln und Kakteen, umsäumt von Bergen. Schließlich kamen wir dort an, wo sich kleine einfache Restaurants, die Tacos, Früchte – denen ich natürlich nicht widerstehen konnte – und mehr in ihrem Sortiment hatten, aneinandergereiht fanden und machten uns an den Abstieg, der in Richtung Hierve el Agua wies, wobei ich immer schön nach einem Wasserfall Ausschau hielt und die Ohren spitzte.

Hierve el Agua_4

Was wir dann an unserem Ziel fanden, war dann kein Wasserfall nach „herkömmlicher Art“, sondern ein Wasserfall aus Mineralablagerungen.

IMG_7867

IMG_7879

Hierve el Agua_2

Doch das eigentlich atemberaubende war eindeutig die Aussicht, die sich uns von den Wasserbecken aus bot – das Gesamtbild, das die Natur hier geschaffen hatte: Fast zu schön um wahr zu sein.

Hierve el Agua

Hierve el Agua_3

Nachdem uns dann ein einheimischer Tourguide noch etwas näher über gefühlt nicht enden wollende Treppenstufen an den „Wasserfall“ herangeführt hatte, ich dank Höhenlage fix und fertig – aber mit erfolgreichem Bildmaterial im Gedächtnis und auf der Speicherkarte, zu nichts anderem mehr in der Lage als die Wasserflasche zu leeren und meine Energiereserven wieder einigermaßen mit mexikanischer Küche stabilisiert hatte, machten wir uns ans Warten auf den Rücktransport. Doch diesmal waren wir in munterer deutscher Gesellschaft (auch so eine Sache – Deutsche findet man fast überall), mit der wir dann in Mitla gleich noch anhand der Tuktuks  – „Keine Sache, wenn ihr euch stapelt, passt ihr zu viert in eins!“ und so saßen wir dann dort auch, hinter uns noch ein schlafendes Baby, während sich das kleine Gefährt des Gewichts wegen den Berg hochschleppte: eine enge, aber durchaus spaßige Angelegenheit- und ein paar kleinen Ruinen unsere Erkundungstour fotsetzten.

IMG_7886

IMG_7882


 

Tag 5: Dienstag, 18. November 2014

Ausschlafen musste auchmal sein. Genau auf die letzte Minute geplant erschienen wir also auf der sonnigen Terasse, nur um dann feststellen zu müssen, dass das kleine Frühstücksbuffet schon vom Küchentresen verschwunden war. Doch einmal mehr erwies sich das Hotel als wirklich sehr freundlich, wärmte noch einmal Kaffee auf, brachte uns Marmelade und Gebäck.

Katzenwäsche gegen ein bisschen Schminke und frische Kleidung eingetauscht, machten wir uns auf den Weg zur Geschichte der Zapoteken – die Ruinen von Monte Albán, die sich, umrahmt von Bergen, nahtlos in das Naturbild eingliederten. Angeregt unterhaltend, über Architektur und andere Dinge, die uns beim Anblick der vor Jahrhunderten geschaffenen Werke einfielen, bestiegen und liefen wir durch die kleine Stadt mit Panoramablick über die angerenzenden Berge und Oaxaca.

Monte Albán

Nachdem wir uns 2 Stunden später an den Rückweg machten und wieder im Stadtleben Oaxacas angekommen waren, suchten wir den Markt auf, kamen in den Genuss oaxaqueñischer Tamales und ich schwelgte wieder im Früchteparadies.

Oaxacaiphone 077

Nachdem wir dann abends noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen sind, beim Aussichtspunkt waren und Richtung Zócalo liefen, war ich angesichts der Tatsache, dass schon so viele Stände geschlossen hatten schon ganz enttäuscht – bis wir sie dann schließlich doch noch fanden, eine mexikanische Kulinarik, die mein Herz höher schlagen lässt: Platanos fritos con crema (frittierte Bananen).


Tag 6: Mittwoch, 19. November 2014 – Ein bisschen was für die Figur

…und für meine Adrenalinproduktion: Mountainbiken in den Bergen. Ich muss sagen…es war auf jeden Fall eine adrenalinreiche Angelegenheit, die ich in meinen mexikanischen Erfahurngsschatz mit aufgenommen habe, aber ich war froh, als sich meine Atmung endlich wieder beruhigt hatte (mit der Höhenlage habe ich wohl so meine Probleme…) und mein Puls sich nicht mehr bei jeder Kurve oder Neigung die sich vor mir erstreckte – aus Angst, die Kontrolle zu verlieren – merklich beschleunigte. Durch die Höhe völlig von der sportlichen Anstrengung erschlagen, setzten Ben und unser Tourguide mich also im oficina ab und starteten eine neue Runde, während ich – umgezogen, mit Kamera, Banane und beruhigtem Puls bewaffnet ein bisschen durch den Wald spazierte, die wärmenden Sonnenstrahlen genoss – dort oben war es doch recht kühl – und mich ein bisschen an die deutschen Wälder und an Klassenfahrten im guten alten Harzheim erinnert fühlte.

Oaxacaiphone 084


Tag 7:
Donnerstag, 20. November 2014 – Ein kleines bisschen Paradies

Morgens empfing uns dann in Puerto Escondido an der Pazifikküste noch ein bisschen mehr Sommer. Nach dem Frühstück in einem italienischem Café und dem Finden eines Hotelzimmers (was sich am Anfang als gar nicht so einfach herrausstellte, da wegen eines Festivals alles ziemlich ausgebucht schien), schien ein bisschen Schlaf wirklich verlockend, da 10-Stunden-Busfahrten durch die Nacht doch nicht so wirklich tiefschlafergiebig sind. Aber so richtig hat das mit dem Schlafen dann doch nicht funkioniert, da das Bedürfnis nach Draußen, nach Meer jeden einzelnen Muskel meines Körpers nach Aktivität schrien ließ: das Verlangen nach barfuß durch den Sand laufen, denn warem Sand (der sich später jedoch als Verbrennungspotenzial erwies) unter der nackten Haut spühren, die Meerluft riechen. Raus. Ich musste einfach raus, denn das Meer war schon immer wie mein zweites Zuhause.

Oaxacaiphone 102

Nachmittags machten wir uns per Taxi auf zu einer der ruhigeren Buchten: Lesen, Sonne genießen, im türkisgrünen, klaren Wasser schwimmen. Das ist ein Leben, dachte ich. Während sich in Deutschland schon die winterweihnachtliche Kälte ausgebreitet hat, saugst du mit allen Fasern deines Körpers Sommer auf. Im November Urlaub am Pazifik, Abendessen mit Blick auf die untergehende Sonne am Horizont. Das war wirklich ein bisschen vom Paradies: Ein Kleinmädchentraum, der sich erfüllt hat.


Tag 8:
Freitag, 21. November 2014 – Das Leben genießen

Nachdem wir dem Tipp unseres Hoteliers gefolgt waren und uns per Taxi zum frühstücken zu einem Café names El Cafesito bringen haben lassen, das an einer anderen ruhigen Bucht liegt, wiegte ich mich wirklich im absoluten Frühstückstraum (die einzige deutsche und süße Mahlzeit, die ich dann und wann vermisse) – allein die Menüauswahl war gigantisch – mit Brötchen, Marmelade, Früchte, Pancakes, Honig, Müsli und Yoghurt: Das Paradies für jeden süßen Frühstücksliebhaber.

Puerto Escondido_2

Keine 200 Meter und ein paar Treppenstufen weiter, befanden wir uns am Strand, fanden ein paar freie Liegen und genossen einen weiteren Nachmittag lang den Sommer im Winter.

Da man den Sonnenuntergang laut unseres Hoteliers auf der anderen Seite der zentralen Bucht – wo man höheren Wellen und mehr Touristen, die zum Surfen kommen, begegnet – schöner betrachten kann, beschlossen wir also, dort hinzufahren. Und er sollte Recht behalten:

Puerto Escondido, Playa Zicatela Oaxacaiphone 146

Puerto Escondido, Playa Zicatela_2


Tag 9:
Samstag, 22. November 2014

Puerto Escondido

Normalerweise gehöre ich ja zum Typ „Morgenmuffel“ und bin ein Liebhaber der Schlummerfunktion. Doch die Tatsache, dass unser Hotel einen Pool besaß und mir der strahelnd blaue Himmel durch den Spalt zwischen den Gardinen zulächelte, musste ich an unserem letzten Tag noch einmal ausnutzen. Ganz nach dem Motto „Morgenstund hat Gold im Mund“.

Sachen fertig gepackt und in der Lobby verstaut lebte ich ein zweites – und letztes – Mal den Frühstückstraum, Sommer, Sonne, Strand und Meer, bevor wir uns eher wehmütig zurück ins Hotel machten. Da unser Bus jedoch erst bends gen Tuxtla startete, nutzten wir die Zeit, noch einmal die Hauptstraße entlang und zum Strand zu laufen.

Puerto Escondido, Playa Central

Wir probierten weitere Straßenkulinarik und beobachteten das Treiben. Ingesamt ist Mexiko wirklich bunt. Die vielen Stände auf den Straßen, die Kunsthandwerk, Schmuck, Tacos, Hamburguesas, Gebäck, frittierte Bananen, Tlayudas oder andere mexikanische Köstlickheiten für nur ein paar Pesos anbieten.

Oaxacaiphone 203

Die angemalten Hauswände, die Natur, die sich vom Pazifik, übers Hochland, Regenwald, Flüsse, Städte, Berge, Wasserfälle, den Golf von Mexiko und die Karibik erstreckt – Mexiko ist bunt. Und gerade im Urlaub lernt man es von einer seiner wunderschönsten Seiten kennen: Fröhliche Menschen, viel Musik (vorzugsweise La Banda), viele Farben, ein kulinarisches Paradies, die Natur.

Ich muss sagen, dass ich über das Reiseziel Oaxaca vorher nicht viel wusste, nicht wusste welche Schätze dieser Staat in sich birgt. Yucatan war mir in Deutschland schon ein Begriff gewesen: Tempel und Ruinen der Maya, Cancun, türkisblaues Meer. Das sind die Orte auf die sich hier in Mexiko besonders der Tourismus zu konzentrieren scheint. Aber Mexiko hat noch so viel mehr zu bieten als nur die Karibikküste: Mexiko ist vielseitig und so viel mehr als das, was Fotos, Buchstaben oder Erzählungen ausdrücken können. Man muss in Ländern gelebt haben, um sie zu erkunden, um sie kennenzulernen, um behaupten zu können, sie zu kennen – um sie zu erleben.

Puerto Escondido, Playa Zicatela_3

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Reisen Auf Mexikanisch”

  1. Liebe Louisa,

    Ich danke DIr von ganzem HErzen, dass DU uns so teilhaben laesst an Deinem wundervollen Erleben. Es weckt wieder das Fernfeh und erinnert mich so doll an all meine Erfahrungen meiner Reisen durch die Welt.
    Deine Fotos sind fantastisch und geben wirklich einen vielseitigen Eindruck.
    Wahrlich komisch die zu sehen und hier im nasskalten November den Advent zu beginnen. Heute habe die Jungs den fensterAdventkalender Deiner Eltern ans Fenster geklebt :-)
    Alles Liebe DIr nach Mexiko!!!
    Von Mirabelle Viviana und Familie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s