31 Stunden Geburtstag und ein Herz voll Glück

Der 29. Januar. Mit etwas Glück liegt draußen Schnee. Ich höre, wie sich meine Familie leise im Haus bewegt, bis jemand meine Tür öffnet. Die Geräusche werden lauter und ein „Happy Birthday“ oder „Viel Glück und viel Segen“ reißen mich entgültig aus den Träumen. Mein Geruchsinn nimmt den Duft von Rosen war und ich blicke in die fröhlichen Gesichter meiner Familie.

So lief 18 Jahre lang mein Gebutstagsmorgen ab, im Kreise meiner Liebsten. Alle Jahre wieder – außer diesem.

Dieses Jahr saß ich einen Tag vorher im Projekt und dachte um 17 Uhr „In Deutschland fängt der 29. Januar genau jetzt an“. Als ich nach dem Ballett mit ein paar Freunden Richtung Haltestelle ging, nahmen sie das auch gleich als Anlass mir schon zu gratulieren. 31 Stunden Geburtstag eben. Und meine Familie hat die Zeitverschiebung gleich einmal ausgenutzt, um mir als aller erste „Happy Birthday“ zu singen – sogar mit Kerze: Sieben Uhr deutsche Zeit, also fast so wie immer, nur dass sie auf der anderen Seite des Ozeans sind. Und während ich so mit meiner Familie sprach, ist mir wieder bewusst geworden, wie schnell die Zeit doch vergeht. Ist es wirklich schon ein Jahr her, dass meine beiden besten Freundinnen mich nachts um 12 mit Kuchen überrascht haben? Schon ein Jahr her, dass ich die lang ersehnte Volljährigkeit gefeiert habe? Fast ein bisschen wehmütig denke ich daran zurück. Daran, dass ich diesen Tag mit meiner Familie und meinen Freunden teilen konnte.

Dieses Jahr sind sie 9.434,95 Kilometer von mir entfernt gewesen – aber doch so nah. Ich habe so unglaublich liebe und herzliche Nachrichten bekommen, und nicht nur das obligatorische „Alles Gute“ auf die Facebook-Pinnwand. Um ehrlich zu sein, bin ich ziemlich schlecht im Merken von Geburtstagen, weshalb ich selbst auch keine großen Ansprüche an meinen diesjährigen  Geburtstag hatte, zudem meine meisten Freunde ja damit beschäftigt sind, sich in ihren neuen Lebensabschnitten einzuleben. Aber ich war wirklich gerührt: Statt in live habe ich die Geburtstagsständchen einfach per Voicemail oder Video bekommen. Damit hab ich wirklich nicht gerechnet und war am Ende des Tages einfach nur bis oben hin voll mit Glück. Sogar ein paar Päckchen und Briefe sind noch angekommen – wenn auch ursprünglich zu Weihnachten angedacht.

Oft hört man ja, dass so ein Auslandsjahr einem zeigt, wer die wahren Freunde sind, die Menschen, die einen auch nicht vergessen, wenn man 12 Flugstunden von ihnen entfernt lebt. Meist nur eine handvoll. Davor hatte ich Angst. Darauf war ich gefasst, dass Entfernung Menschen voneinander entfernen kann. Aber die fast 9.500 Kilomenter die zwischen Mexiko und Deutschland liegen, haben das nicht geschafft und ich bin einfach nur unheimlich dankbar das Gegenteil beweisen zu können; so liebe Menschen in meinem Leben kennengelernt zu haben. Dankbar, dass meine Oma nicht aufgehört hat Post über den Ozean auf den Weg zu mir zu schicken, auch wenn sie fast 4 Monate zum Ankommen gebraucht haben.  Glücklich darüber, dass meine Schwester sich um 4 Uhr nachts den Wecker stellt, um mit mir zu skypen. Darüber, dass so viele wissen möchten, wie es mir geht und ein Auslandsjahr nicht heißt, dass Freunde einen vergessen, sondern dass sie einen vermissen. Danke an unseren Postboten, der mich mit jeder Postkarte, jedem Päckchen oder Brief zum glücklichsten Bewohner Tuxtlas macht. An WhatsApp, Facebook, Gmx und Skype, die den Kontakt einmal um die halbe Welt ermöglichen.

„Genieß deinen Tag!“, hat mir meine kleine Schwester geschrieben, „Ihn in Mexiko zu feiern ist wirklich etwas besonderes und einzigartig!“ Recht hatte sie. Aber vor allem, weil er international war. Im Casa habe ich Pfannenkuchen  à la Alemania gebacken, die mir die Mädchen quasi aus der Pfanne weggenascht haben.

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Und beim Mittagessen habe ich dann  „Las Mañanitas“ – das mexikanische Geburtstagslied – gesungen bekommen und eine Torte, die wir alle zusammen nieder gemacht haben. Abends hat sich dann Siijuve bei uns im Wohnzimmer versammelt, ich habe die Blumenkrone feierlich aufgesetzt bekommen und „Las Mañanitas“ in voller Länge, gefolgt von Rolf Zuckowskis Klassiker „Heute kann es regnen, stürmen oder schnein“.

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Mein Geburtstagskuchen stand bereit zum auspusten, nachdem ich meinen Ring erfolgreich über die brennende Kerze hab fallen lassen und gewünscht hatte.

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Mit Tequila gings weiter – zusammen mit der Schwester. Aber ich schätze auch am Ende meines Jahres hier wird der nicht zu meinen bevorzugten Likören gehören, meinem Gesicht auf den zahlreichen Fotos und dem amüsierten Lachen nach zu urteilen ;-).

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Und auch wenn mein Gedächtnis mir gesagt hat, dass es draußen eigentlich kalt sein und meine Familie am liebevoll gedeckten Kaffetisch sitzen müsste, war es wirklich ein besonderer Tag mit vielen lieben und fröhlichen Menschen.

Ein Tag und ein Herz voll Glück.

 

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