Carnaval en Coita

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Die Sonne scheint und im ganzen Stadtzentrum breitet sich der Duft nach Puder und Mehl aus. Je näher man der Masse kommt, desto öfter kommen einen Menschen mit gigantischen Blumenhüten, Masken, Glocken an den Hosen und Verkleidungen in allen Farben entgegen, die Besucher haben zunehmend einen weißen Puderfilm auf den Haaren.

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Wir schlängeln uns bis nach ganz vorne durch, um eine bessere Sicht auf das Spektakel zu bekommen und schon bald zieht die Menge in wunderschönen bunten Kostümen an uns vorbei.

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Glöckchenklingeln erfüllt das Geschehen und in der Luft wird Mehl, Puder und Schaum verteilt, der sich auf Akteure und die besonnenbrillten Zuschauer legt, sie zu einer einheitlichen weisen Masse verbindet.

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Es wird gejubelt, getanzt, gelacht, gestaunt und fotografiert: All‘ die Farben, das Funkeln der Hüte und Kostüme, das Konfetti oder Knallfeuerwerk, das in den strahlend blauen Himmel befördert wird. Dann kommt der nächste Schwung verkleideter Leute an uns vorbei getanzt, das Publikum wird erneut eingenebelt von feinen Mehlpartikeln. Wieder andere Kostüme, noch größere Hüte. Ein Farbenspektakel  eingehüllt in Puderzauber.

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Gestern morgen enthielten mindestens drei meiner Whatsappnachrichten die Information und einen Screenshot der aktuellen Nachrichten, dass in meiner Heimatstadt dagegen der jedes Jahr groß gefeierte Karnevalsumzug abgesagt wurde: Terrorwarnung. Das Internet füllt sich rasend schnell mit allen möglichen Reaktionen: Empörung, Schrecken, Enttäuschung, Hass, Diskussionen, die wirklich schon ausländerfeindlich werden, Angst. Anhand von Vermutungen und Gerüchten wird der Grund der Absage erörtert. Die Innenstadt ist gesperrt und über die Stadt, in der ich Zuhause bin, breitet sich Unsicherheit aus. Unsicherheit, weil wir nicht wissen, was wahr ist und was nicht; Unsicherheit weil wir nicht wissen warum; Unsicherheit, weil sowas doch nicht in der eigenen, kleinen Heimatstadt passiert. Aber es passiert eben doch.

Und ich bin am anderen Ende der Welt, so weit weg vom Geschehen: In Mexiko. Dem Land, das viele für zu gefährlich hielten. Aber während ich mich im farbenfrohen, fröhlichen und eingepuderten Karnevalsgetummel die Kostüme bewundernd befinde, mich mittendrin im Erleben einer neuen mexikanischen Tradition pudelwohl und sicher gefühlt habe, war Braunschweig gar nicht farbenfroh. Das Bild hat sich verschoben. Verdreht. Auf einmal findet man die Realität, die Unsicherheit, die man eher mit Ländern auf der anderen Seite der Erdkugel verbindet, nicht kennt, in seiner eigenen Stadt wieder.

Das ist mir aufeinmal so schlagartig bewusst geworden, dass ich meine Gedanken erst einmal sortieren musste. Das Bild richten – nach der Wirklichkeit, die sich immer noch ein bisschen surreal anfühlt.Nirgendwo gibt es eine heile Welt, auch wenn wir sie uns wünschen. Eine Welt, in der keine 43 Studenten entführt werden, eine Welt in der keine Terroranschläge geplant werden. Diese Worte liegen mir auf der Seele, deshalb möchte ich sie mit Euch teilen. Mit euch teilen, dass wahrscheinlich jedes Land seine dunkle Seite hat, aber auch seinen farbenfrohen Traum, eingehüllt in Puderzauber.

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