Mexiko – Ein Paradies für Kleine

Mexiko ist ein Land, in dem der Größendurchschnitt der Menschen doch sichtbar unter dem von Deutschland liegt. Gehe ich durch die Straßen, schaue ich im Ballettsaal in den Spiegel, blicke ich mich um: Ich bin mit meinen 1,58 cm auf Augenhöhe. Hier werde ich auf einmal nicht mehr auf 16 eingeschätzt, sondern auf 20,21. Aus einem ungläubigen schon auf die Antwort meines richtigen Alters ist ein ungläubiges erst geworden. Ich bin ehrlich, wenn ich sage, dass ich die fehlenden Zentimeter zur Durchschnittsgröße einer Deutschen inzwischen akzeptiert habe. Das bin einfach ich. Und es ist ja nicht so, dass das Kleinsein nicht auch seine Vorteile mit sich bringt: UGGs oder Chucks sind in der Kinderabteilung günstiger;-) und – ich weiß, man soll immer ehrlich sein – aber bis 16 hab ich beim Busfahren immer den Kinderpreis bezahlt. Irgendwie muss man es ja ausnutzen. Aber ich genieße es schon ein wenig, endlich mal auf Augenhöhe zu sein. Hier falle ich auf Fotos nicht mehr durch meine Größe auf, sondern durch die helle Haut, die blonden Haare. Greife ich dann mal zu hohen Schuhen, überrage ich schon den einen oder anderen. Schuhe. Wohl der Klassiker bei fast jeder Frau. Und ich muss zugeben, dass Schuhe auch einer meiner Leidenschaften sind. Nicht weniger, weil man dann doch immer ein paar Centimeter oben drauf mogeln und sich groß fühlen kann, wenn man das ewige Hochblicken mal satt hat:). Aber gleichzeitig sind Schuhe auch ein Thema, bei dem ich regelmäßig verzweifelt bin. Meine besten Freundinnen werden sich hier jetzt schmunzelnd an eines meiner Erfolgserlebnisse erinnern: „Mir passt jetzt 36 mit Einlage!“. Doch seit ich hier in Mexiko bin haben jegliche zu-groß- oder zu-breit-Probleme ein Ende. Die Frage, wieviele Einlagen ich wohl brauche, um nicht aus diesen Highheels heraus zu rutschen, habe ich schon fast vergessen, denn – Sie passen! Das reinste Schuhschlaraffenland. Leider sehr zum Bedenken der Kilovorschriften Lufthansas. Als ich vor ein paar Wochen mit meiner Familie geskyped habe und der Blick meiner Mama auf die inzwischen doch sichtbar gewachsene Schuhsammlung fiel, rief sie nur aus „Guck dir das an! Louisa! Wie willst du das alles nach Hause bekommen?! Ich glaube du musst frühzeitig Päckchen losschicken.“ Auf einmal werde ich gefragt, ob ich mal helfen könne, etwas aus den oberen Regalen herunter zu holen. Das ist mir wirklich noch nie passiert – gab ja immer jemand Größeres. Ich fühle mich hier wohl. Ich fühle mich wortwörtlich auf Augenhöhe. Ich bin dem Kleinsein entschlüpft, ich musste einfach nur einmal um die halbe Welt fliegen. Meine Mitfreiwilligen haben erzählt, dass sie in Reisebussen immer mit ihren Knien an den vorderen Sitzen anstoßen. Was soll ich sagen? Ich sitze auf Busfahrten bequem und mit genügend Beinfreiheit;-). Ich hatte hier noch keine Probleme mit zu niedrigen Combis, Türen oder Gängen in archäologischen Stätten – habe ich überall problemlos perfekt reingepasst. . In der Menge bin ich nicht klein oder groß. Ich bin normal. Ich passe.

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Ein Kommentar zu “Mexiko – Ein Paradies für Kleine”

  1. Ohhh Louisa, und nun sind DEine Eltern und Rosanna auch schon bei Dir, oder? Wow. Danke wie immer fuer Deine wundervollen Berichte. ich bin ganz erfuellt…
    Alles Liebe noch aus Potsdam
    Mirabelle Viviana

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