Marmeladenglasmomente

Collect moments, not things.

In 7 Monaten hat sich das Glas schon beträchtlich gefüllt. Natürlich sind inzwischen auch unendlich viele Fotos entstanden, der ein oder andere Gegenstand aus mexikanischem Handwerk ist in meinen Besitz gewandert, meine Schuhsammlung gewachsen, Bücher, Filme, CD’s. Das alles sind Dinge, die mich immer an mein Jahr hier erinnern werden und natürlich ist es schön, sie anfassen zu können, über die bunten Stoffe zu streichen, zu präsentieren, zu fühlen. Aber die waren Schätze sind die unzähligen Momente. Das, was man nicht festhalten, nicht anfassen kann. Gefühle, Gerüche, Geschmäcker. Glück und Überwältigung. Freiheit.

Life isn’t measured by the number of breaths we take, but by the moments that take our breaths away.

19.04.2015 041

Ein ganz besonderer Moment war sicher der Zeitpunkt, als ich meine Familie nach 7 Monaten endlich wieder in die Arme schließen konnte. Ich weiß, noch wie ich dachte: „Unglaublich, dass du jetzt wirklich zum Flughafen fährst und deine Familie abholst. Meine Familie in Mexiko.“ Am Tag zuvor habe ich bestimmt alle 3 Minuten den Flugstatus aktualisiert, um sehen zu können, wann sie zum ersten Mal mexikanisches Land betritt.

Und dann stand ich vor der Glasscheibe, wartete, während mich dieses ganz unbekannte Gefühl einnahm. Eine Mischung aus Vorfreude, Glück und Erwartung. Ich hatte noch nie auf dieser Seite der Glastür gestanden. Noch nie Lieblingsmenschen, die man lange nicht gesehen hat, vom Flughafen abgeholt. „Von dort müssen sie kommen.“, zeigte mir mein Gastvater und deutete durch die Glasscheibe. Und dann kamen sie. Der Marmeladenglasmoment auf den ich mit jedem Tag mehr hingefiebert habe. Jegliche Coolnis fiel von mir und ich sprang auf und ab, winkte ihnen zu. Meine Familie ist in Mexiko, schoss es mir wieder und wieder durch den Kopf und ich realisierte es immer noch nicht. So bekannt, so normal und gleichzeitig surreal. Und als meine Schwester dann endlich ihren Koffer vom Gepäckband zog, andere Passagiere und Angstellte passierte, war es dann auch um den Rest Beherrschung geschehen. Wir stürmten aufeinander zu und ich schloss sie in meine Arme. Luft angehalten. Weinte und lachte fast gleichzeitig. „Bist du gewachsen?“, war meine erste Frage. Die ersten Worte nicht nur über Skype. „Nein.“, lachte sie. So vertraut, aber doch ein bisschen neu. 235 Tage eben. 235 Tage, die wir uns nicht gesehen haben.

Wie oft hatte ich mir diese ganzen Momente, die ich nun wahrnahm, ausgemalt? Und jetzt waren sie da. Ein bisschen wie in einer Seifenblase. Und man passt auf, dass sie nicht zerplatzt. Habe ich doch hier in Mexiko ohne sie gelebt und musste sie erst einmal einpuzzeln in das Leben, das ich hier führe, neue Protagonisten in meine mexikanische Geschichte einfügen.

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Die ersten beiden Tage habe ich meine Seifenblase auf sicheren Händen getragen, gehütet. Doch dann ist sie mir zerplatzt. Aber das war nicht schlimm, denn auf einmal war alles so wie immer. Als wären da keine 7 Monate ohne Berührung gewesen. Familie ist etwas besonderes und es ist großartig, eine Großfamilie zu haben. Noch großartiger ist es, wenn sie sich auch noch gut versteht – auf englisch, deutsch und spanisch.

Und wir haben so unglaublich viel gesehen und erlebt auf dieser Reise, von der es bald noch Genaueres zu lesen gibt: unvergessliche Momente, 1000 Farben, viele Worte und das Wissen, das Familie wichtig ist.

Kutschfahrt

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2 Kommentare zu “Marmeladenglasmomente”

  1. Du Liebe, Louisa! Deine Beschreibung hat mir glatt die Traenen in die Augen getrieben. So viel Spannung und dann die Begeisterung des Wiedersehens! danke dass DU so detailiert mit uns teilst.
    Alles Liebe aus Schottland
    Mirabelle Viviana

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