Salzwasser

Mit einem traurigen Beigeschmack denke ich daran, dass meine Familie übermorgen schon wieder nach Deutschland zurückfliegt. Sätze wie „Am Flughafen muss ich bestimmt weinen“ oder „Zwei oder drei Tage wären schon noch schön“ habe ich in den letzten Tagen bestimmt oft gesagt, noch öfter gedacht. Es liegt nicht daran, dass ich unbedingt noch mehr Urlaub brauche – im Gegenteil. Urlaub auf diesem Niveau habe ich in den letzten Monaten nicht gemacht und musste mich endlich mal um nichts kümmern. Bei den letzten Reisen stand doch eher im Vordergrund möglichst viel zu sehen und dabei möglichst wenig Geld auszugeben. In diesen Tagen am karibischen Strand, nachdem wir so viel gesehen und erlebt haben, konnte ich endlich mal zur Ruhe kommen, das Sytsem neu starten: Sonne auf der Haut, Salzwasser in den Haaren und Sand unter den Füßen. Wohltuend.

Ich durfte ein bisschen Luxus schnuppern, auch wenn 5*-Haciendas eher Ausnahme als Regel bleiben werden. Es ist etwas besonderes. Die ganze Reise – weil ich sie mit meinen Liebsten teilen kann. Sind Momente nicht noch viel kostabarer, wenn man sie teilt? Ich genieße, ich rieche, fühle und nehme war. Die Meeresbrise auf der gebräunten Haut und in den Haaren, das unglaublich blaue Meer, das gute Essen. Keine To-Do-Liste im Hinterkopf, dafür ein gutes Buch. Die Seele hat Freiraum zum baumeln.

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Die sieben Monate Mexiko kommen mir auf einmal so weit weg vor, wie ein Traum, den nach dem Auwachen verblasst und plötzlich nicht mehr greifbar ist. Mit meiner Familie zusammen zu sein fühlt sich an wie immer, als wären wir nicht genau diese Zeit durch einen Ozean getrennt gewesen. Mein Gedächtnis weiß, wie das normalerweise abläuft: Ich würde mit meiner Familie gemeinsam nach Hause fliegen. Aber gleichzeitig kommt mir dann doch ganz selbstverständlich und flüssig das Wort „Zuhause“ in Bezug auf Tuxtla über die Lippen. Wehmut. Ich fühle mich Deutschland gerade so nah und doch weiß ich, dass die nächsten drei Monate mir zwischen den Fingern zerrinnen werden.

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Ich blicke auf bestimmt drei meiner schönsten Wochen hier in Mexiko zurück, auf etwas Besonderes. Aber wenn ich mir jetzt die Zeilen durchlese, die ich mir in den letzten Tagen des Urlaubs von der Seele geschrieben habe, dann merke ich nicht nur, dass ich endlich mal wieder richtig zur Ruhe gekommen bin, sondern auch, dass mich das emotional nicht unberührt gelassen hat. Ja, ich bin ein emotionaler Mensch und dazu stehe ich ganz offen. So sehr ich mich auch auf meine Familie gefreut habe und darauf, ihn „mein“ Mexiko zu zeigen, am Ende fiel es mir doch schwerer als gedacht sie zu verabschieden und mich wieder in den Alltag einzuleben. Am Flughafen hatten wir genau 15 Minuten Zeit, uns zu verabschieden und ehe ich sie überhaupt richtig umarmt hatte, schmeckte ich auch schon das Salzwasser auf der Zunge. Kam mir diese Abschiedsszene doch zu bekannt vor und es fiel mir in diesem Moment schwer zu begreifen, dass es diesmal kein Abschied für ein Jahr, sondern nur für drei Monate ist, die jetzt wohl wirklich verfliegen werden. Denn schaue ich in meinen Kalender, sehe ich, dass die Wochenenden schon gut verplant sind.

Und ich bin mir sicher, dass ich im August auf eine wunderschöne Zeit, die jetzt schon zu einer der schönsten und aufregensten gehört, zurückblicken und sagen werde: „Ich muss am Flughafen bestimmt weinen.“

Playa del Carmen
Playa del Carmen

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Ein Kommentar zu “Salzwasser”

  1. Liebe Louis
    Oh wie ich dieses Gefühl des Abschieds kenne! Vor allem in den 1 1/2 Jahren, in denen Harman und ich noch getrennt waren. Auch wenn es nicht so weit auseinander war.
    Wie wunderbar so fühlen zu können!
    Sei umarmt und genieße die letzten Monate in Mexiko
    Mirabelle Viviana

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