I Dreamed

Mexico City. Eine riesen Stadt, die ständig in Bewegung ist. Schon beim Anflug kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Man sieht einfach nur… Stadt. Und Hochhäuser. Das habe ich vermisst. Davon habe ich manchmal sogar ein kleines bisschen geträumt. Vorfreude. Aber nicht nur auf das Großstadtleben sondern auch auf Jolanda, eine Freundin aus Braunschweig. Ich weiß noch, wie wir im  Juli ganz aufgeregt festgestellt haben, dass es uns beide nach Mexiko verschlagen wird. So klein ist die Welt. Und dabei haben wir uns eigentlich erst so wirklich bei diesem Gespräch damals kennengelernt. Auf dem Weg zu Jolandas Wohnung betrachtete ich ehrfürchtig die Leuchtanzeigen, den Verkehr und die mehrstöckigen Häuser. Die mexikanischen Städte, durch deren Straßen ich bis jetzt gelaufen bin, geben einem mit ihren bunt bemalten Häuserfassaden und den zwei Stockwerken (mit einigen Ausnahmen) doch eher das Gefühl, sich in einem Dorf zu befinden. Einem sehr, sehr großem Dorf. Immerhin hat Tuxtla zum Beispiel 500.000 Einwohner.

Schnell die Sachen abgestellt, ging es dann eigentlich gleich weiter. Donnerstagabend – aber das heißt nichts, Salsa wird trotzdem getanzt- und wie! Das ließ mein Tänzerherz gleich ein wenig höher schlagen: Eine ganze Bar in lateinamerikanischem Rhythmus. Mexico City weiß definitv, wie man sich amüsiert und freie Abende verbringt. Bis zwei Uhr morgens haben wir in die Nacht getanzt, um uns dann noch bis in die frühen Morgenstunden zu unterhalten. Acht Monate und die gleiche Heimatstadt bieten immerhin eine Menge Gesprächsstoff.

Menschen, große Häuser, Straßenverkäufer, Metrostation, U-Bahn. Ich fühlte mich auf einmal so frei und lebendig – auf eine andere Art. Großstädte fand ich schon immer aufregend. In die Metro steigen Männer mit einem Lautsprecher, verkaufen für weniger als 1 Euro CDs oder Süßigkeiten. An der Station, an der wir aussteigen, befindet sich Bellas Artes, das wohl bekannteste Theater Mexico Citys. Die Straßen sind voll mit Menschen und rosa Taxis. Ein einziger Strom, eine Lebensader der Stadt. Wir laufen durch die Fußgängerzonen des historischen Zentrums in Richtung Zócalo und machen uns einfach einen schönen Tag. Hinter alten Fassaden befinden sich Ives Rocher und Forever 21. Alt und neu. Stein und Glas. Und über uns blauer Himmel. Wir genießen diesen ganz normalen Mädelstag in vollen Zügen, weil er eben doch nicht ganz normal ist, sondern besonders: Ein bisschen Deutschland in der Luft, aber eben in unserem zweiten Zuhause Mexiko. Das Land, dessen Vielfältigkeit ich so lieben gelernt habe.

Bellas Artes
Bellas Artes

Wir schnuppern an Parfums, fühlen uns erinnert, tauschen uns aus, shoppen ein bisschen. Mit einem riesen Eis in der Hand zeigt mir Jolanda ihre Stadt, die mich in ihren Bann gezogen hat. Ich fühle mich wohl, ein bisschen Zuhause. Ich drehe mich auf dem Zócalo einmal im Kreis und blicke durch die Fußgängerzone auf das Torre Latino, muss an New York denken.

Zócalo
Zócalo
Torre Latino
Torre Latino

Auf dem Rückweg beschließen wir, vom Torre aus noch einen Blick von oben über die Stadt zu werfen und es ist einfach überwältigend: diese Größe, soweit oben, landende Flugzeuge, das Gefühl. Wieder ein ganz anderes Mexiko. Ich bin glücklich.

Samstagfrüh habe ich mich erst einmal allein auf den Weg in Richtung Coyoacan gemacht, bin durch verkehrsberuhigte Straßen, gesäumt von Bäumen, gelaufen und war im Casa Azul, dem Haus in dem vor achzig Jahren Frida Kahlo mit ihrem Mann gelebt hat.

Frida Kahlo Museum
Frida Kahlo Museum

Und dann habe ich mich einfach in den kleinen Park gesetzt und das Geschehen auf mich wirken lassen, Mango gegessen, Eichhörnchen beobachtet, die in den Palmen fangen spielen und sich von Kindern mit Popcorn füttern lassen. Als dann ein bisschen später Jolanda dazukam und ich in den Genuss des besten Nutella-Erdbeer-Crepes meines Lebens und ihrer Geheimtipp-Tacos kam, endete das natürlich wieder in ganz viel reden und einem Spaziergang durch den Mercado de Artesanias. Wieder um einige Pesos ärmer, dafür aber um ein paar Ringe, Erinnerungsstücke und Essenserlebnisse reicher. Und weil das ja noch nicht genug für unseren Geschmackssinn war, haben wir kurzer Hand noch einen Abstecher zum Helado Obscuro gemacht, eine weitere Insiderempfehlung Jolandas: Eis mit Baileys oder je nach Sorte auch anderen Spirituosen. So macht ein klitze kleines bisschen beschwipsen doch noch viel mehr (Nasch-)Spaß.

Sonntag hieß es dann früh aufstehen und ab aufs Fahrrad. Jeden Sonntagmorgen wird nämlich der Boulevard Paseo de la Reforma,  auf der sich auch die der berliner Siegessäule ähnelnde Statue befindet, für Autos auf einer Strecke von insgesamt 42km gesperrt. Wie lange bin ich nicht mehr in der Stadt Fahrrad gefahren?! Vorbei an gläsernen Hochhäusern und modernen Palästen, Inlineskatern, Yogagruppen und Zumbatanzenden. Eine Stadt in Bewegung. Der Puls schlägt. Mitten in Mexico City. Danach hatte ich aber sicher den Oberschenkelmuskelkater meines Lebens.

Abends habe ich Jolanda dann zu ihrem Deutschunterricht, den sie Freunden gibt, begleitet und es war wirklich schön, auch ein bisschen von ihrem Alltag mitzubekommen, das zu sehen, was ich sonst immer nur auf ihrem Blog gelesen habe. Und ich muss sagen, es ist wirklich spannend zu sehen, wie es eigentlich ist, Deutsch zu lernen. Die Sprache, die für mich total klar ist. Da sieht man dann im Ansatz sich selbst, nur eben Spanisch lernend.

Es war einfach eine wunderschöne Zeit, in der wir Nudeln Bolognese gekocht und selber Guacamole gemacht haben. Deutsch und mexikanisch. Und es hat sich alles so normal angefühlt, so richtig – in mir lebt nicht mehr nur ein deutscher Teil, sondern eben auch ein mexikanischer.

Wir haben ganz viel geredet, über das Leben und die Liebe, über Heimat und Vermissen, über neue Anfänge, Reisen, Erlebnisse, Hindernisse und Glück. Ich habe davon geträumt. Und wir haben es genossen.

Mexikourlaub 283

P.S.: Danke Jolanda!

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