Zwischen wer ich bin und wer ich sein will

Ich heiße Louisa und bin 19 Jahre alt. Ich bin ehrgeizig, habe einen Hang zum Perfektionismus und zur Romantik, bin emotional, ein wenig sensibel und ein Familienmensch. Bevor etwas nicht nach Plan verläuft, nehme ich es lieber selbst in die Hand. Ich liebe To-Do-Listen, Pläne, Häckchen und Organisation. Mein Zimmer dagegen gleicht manchmal eher einem (natürlich organisiertem) Chaos. Mein Herz schlägt für Starbucks, Vapiano, Mango, Tacos, Schokolade und die Kochkünste meiner beiden Omas und meiner Mama. Und seit neustem stehe ich sogar selber gerne mal am Herd. Tanzen, Singen und Schauspielern sind fester Bestandteil meines Lebens, ebenso mein Klavier. Ich bin ein Dorfkind aber fühle mich genauso in Großstädten zuhause. Ich schwelge gerne in Erinnerungen, mache mir dann alte Playlists an, schaue mir Fotos und Videos an. Das ist dann wie Frühlingssonne auf der Haut. Ich bin eine Momentsammlerin.

Seit August 2014 ist mein zweites Zuhause Mexiko und ich habe gemerkt, wie gerne ich reise. Wenn man ein Jahr 9.500 Kilometer entfernt von der Heimat lebt, dann lernt man sich selbst ein bisschen mehr kennen. Man breitet die Flügel aus, lässt sich im Fernweh gleiten und erfährt, dass Zuhause dort ist, wo das Herz ist. Man lernt, dass vermissen nicht vergessen heißt und dass Entfernung nicht nur entfernt sondern auch näher bringen kann.

Ich bin immer noch ich, aber vielleicht ein bisschen erwachsener, entschlossener, selbständiger, selbstbewusster. Ich habe gemerkt, wie sehr ich Weihnachten und die verschiedenen Jahreszeiten in Deutschland liebe. Dass Liebe geht aber Freundschaft bleibt.

Gedankenkarussell – immer schneller und schneller. Bis ich es geschafft habe Stop zu schreien. Und plötzlich kann ich die Umgebung wieder wahrnehmen. Lesbar.

Seit meiner Kindheit möchte ich Ärztin werden. Möchte Medizin studieren und Menschen wieder gesund machen. Aber ist es das, was ich wirklich machen will und kann? Oder einfach nur ein Traum, der vielleicht immer nur ein Traum bleiben wird? In Mexiko habe ich wieder angefangen zu schreiben, habe viel nachgedacht und viel gesehen. Mich nach und nach an ein neues Land und eine andere Kultur angepasst. Anders – nicht komisch oder schlechter. Und ich habe eine neue Sichtweise auf Dinge bekommen – auf mich. Ich habe mich nicht von mir entfernt. Ich bin ich – vielleicht sogar ein bisschen mehr als vorher.

Wenn man nicht ausprobiert, sich nicht traut und versteht, dass anders manchmal sogar besser ist, dann bleibt die Frage „Was wäre wenn?“ Was wäre, wenn ich vor einem Jahr nicht in den Flieger gestiegen wäre? Dann würde ich jetzt wahrscheinlich in der TU in Dresden sitzten und die menschliche Anatomie studieren. Dann wäre ich weiter durchs Leben gesprintet ohne Luft zu holen, hätte weiterhin geglaubt, dass Mexiko gefährlich sei und von Drogenmafia besetzt, statt ein wunderschönes und vielfältiges Land, das inzwischen ein Teil von mir ist.

Wer bin ich? Ich bin die Grundschülerin, die ihr erstes Meerschweinchen abgöttisch geliebt hat und Angst vorm Einschlafen im Dunkeln hatte. Ich bin das Mädchen, das ohne ihre Freunde nicht die Person wäre, die es jetzt ist. Ich bin die Gymnasiastin, die neben der Schule und dem Abitur leidenschaftlich ihren Hobbies nachgegangen ist. Bin die Abiturientin, die plötzlich 9.500 Kilometer weit weg von Zuhause saß, ihr früheres Leben so schrecklich vermisst und sich gewünscht hat, dass alles so bleibt wie es ist. Und ich bin die junge Frau, die Mexiko in ihr Herz geschlossen hat. Das alles bin ich. All‘ die Erinnerungen, Momente und Gefühle, die nur ich kenne – aus meiner Sicht.

Und in ein paar Jahren? Vielleicht bin ich dann wirklich Medizinstudentin. Vielleicht bin ich dann aber auch werdende Journalistin. Denn eigentlich weiß ich ganz genau wer ich sein will: Ich selbst. Und diese Person können wir nur sein, wenn wir uns zuhören. Unseren Gefühlen und Gedanken. Unseren Träumen und der Realität. Und uns dabei selber besser kennenlernen.

22.6.15 046

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