Juli – Der Monat der letzten Male

Te pasaron tantas cosas antes de querer parar, parar, parar. Te perdiste en otras vidas y al final, le encontraste sin buscar, todo por casualidad. Hoy aceptas tu pasado, porqué él te enseñó a amar, amar, amar. Tu mejor futuro de su mano va, él te escucha sin juzgar, hay mil historias que vivir y contar. – Pablo Alborán

Es sind so viele Dinge passiert, ohne anhalten zu wollen. Du hast dich in anderen Leben verloren und am Ende gefunden, alles durch Zufall. Heute akzeptierst du deine Vergangenheit, weil er dir das lieben gelehrt hat. Deine beste Zukunft an seiner Hand ist es, dass er dir zuhört ohne zu urteilen, es gibt tausend Geschichten zu leben und zu erzählen.

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Jetzt sitze ich hier, an den letzten Julitagen und höre eines meiner spanischen Lieblingslieder. Kann nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist. Kann nicht glauben, dass ich das Wort „letzte“ schreibe. Schreiben kann? Oder muss? Ich weiß es nicht. Schon seit Tagen versuche ich in Worte zu fassen, was ich fühle. Aber es gibt keine Worte dafür. Ich kenne sie nicht. Juli – der Monat der letzten Male. Der letzte Arbeitstag, die letzten Stunden mit meinen Mädchen, von denen inzwischen jede einzelne mein Herz gewonnen hat. Das letzte Mal für immer? Die letzte Ballettstunde, das letzte Seminar in Mexiko. Vorbereitung auf den Abschied. Die letzte Reise. Das letzte Mal Pilates, das letzte Mal Kino mit den besten Nutellacrepes dieser Stadt. Das letzte Mal San Cristóbal mit Ana. Wir enden, wie wir begonnen haben. Laufen durch die Straßen der Kolonialstadt und freuen uns über das Wetter, den blauen Himmel und die Sonne. Schlendern über den Markt an all den bunten Ständen vorbei und schwelgen in Erinnerungen. Essen das letzte Mal die beste Pizza vom El Punto und aus einer Karaffe Clericot werden zwei – Ana, no olvidaré esa noche :D! Genießen den letzten Cappuchino und die geliebten pastelitos (Törtchen) in einem unserer Lieblingscafés. Heute ist mein letzter Montag, mein letzter Mittwoch, mein letzter Donnerstag – meine letzte Woche.

Vor einem Jahr waren es meine letzten Wochen in Deutschland. Das letzte Mal Ballett, das letzte Mal Teetrinken mit meinen Freundinnen, die letzte Nacht im eigenen Bett. Die letzte Umarmung, die letzte Berührung, der letzte Kuss. Abschied. Für ein Jahr. Und nun stehe ich wieder vor dem Abschied. Aber dieses Mal weiß ich nicht für wie lange. Für Monate, für Jahre oder sogar für immer? Das macht es schwer. Diese Ungewissheit. Ich möchte nicht schreiben schwerer, denn das wäre gelogen. Ich habe den Abschied damals vor mir hergeschoben, einfach die Tage genossen und dann so viele Tränen geweint. Dieser Abschied ist anders. Endgültiger. Ich schiebe ihn wieder vor mir her, vielleicht fällt es mir deshalb so schwer die richtigen Worte zu finden – aber ich bin mir sicher, dass einige dort draußen ganz genau verstehen was ich meine. Und es tut gut zu wissen, das man mit seinen Gefühlen, mit diesen unbekannten Gefühlen nicht alleine da steht, dass da „Mitläufer“ sind. Es ist an der Zeit „Adios“ zu sagen hat uns Imelda auf dem Abschlussseminar gesagt. Wir sollen darüber reden, uns darüber bewusst werden. Abschied nehmen. Ich nehme Abschied. Aber es fehlen die Tränen. Denn ich will es nicht wahrhaben. Will nicht wahrhaben, dass ich nicht weiß wann ich das alles hier wieder sehe. Es ist zu groß, um es zu beschreiben. Es ist ein ganzes Jahr. Eine Familie, eine Sprache, eine Kultur und Natur. Ein Land und vielleicht auch ein kleines bisschen ein neues Ich. Und währenddessen, während dieses Fabenspektakels stand die Welt in Deutschland still. Und ich habe Angst. Davor nicht mehr reinzupassen, davor, dass alles anders ist, weil es so wie immer ist. Davor dass ich vielleicht anders bin. Ich bin voll mit Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnissen eines ganzen Jahres auf der anderen Seite der Weltkugel. Aber diese Momente kenne nur Ich, teile sie hier, träume sie in Mexiko. Zuhause ist die Welt stehen geblieben, aber nur für mich. Meine Lieblinge haben weitergelebt, nicht den selben Traum geträumt. In meinem Kopf tanzen Farben, fließen Wasserfälle und es läuft Musik. Und jeder Song erzählt seine Geschichte, seinen Moment.

Es ist ein Hin und Her. Vor zwei Monaten noch habe ich meinen Alltag gelebt und es war in dem Moment vielleicht sogar mein erstes Zuhause. Weil ich gelebt habe, da war, hier war – hier bin. Dann sind so viele Erinnerungen auf mich eingefallen und ich habe so sehr vermisst, mich gesehnt und gefreut. Vorfreude ist die schönste Freude sagt man ja. Aber dieses Mal geht sie Hand in Hand mit dem Abschied. Und dieser Abschied ist anders. Dieser Abschied ist endgültig. Dieses Mal liegt vor mir kein Abenteuer, dieses Mal kehre ich in bekannte Umgebung zurück. Ich weiß noch wie ich vor einem Jahr meine Vorstellungen aus Googlebildern zusammengepuzzelt habe, nichts kannte. Jetzt ist es mein Zuhause. Jetzt kenne ich die Orte. Ana ist nicht mehr nur meine Gastschwester, Ana ist meine Schwester. Ich habe meinen Platz. Und ich hoffe, dass ich auch meinen Platz in Deutschland wieder finde. Ich hätte nie damit gerechnet, hier so sehr anzukommen, mich hier so wohlzufühlen, so richtig. Mich so in dieses Land zu verlieben – mein zweites Zuhause. Denn Zuhause ist wo das Herz ist. Und in Deutschland warten Menschen, die sich schon wieder so sehr auf mich freuen. Und ich freue mich auf sie, darauf ihnen endlich alles persönlich erzählen zu können und sie wieder in die Arme zu schließen. Ich freue mich auf all‘ die Dinge die ich hier vermisst habe: Das Vogelzwitschern im Garten, laue Sommerabende an denen es noch bis um 10 Uhr hell ist, auf die Laubfärbung im Herbst, Weihnachten und den Frühling. Auf ganz viele Mädelsabende und meine Familie samt Kleintierzoo. Und auf ein Wiedersehen. In Deutschland, in Mexiko oder wo auch immer. Das macht es einfacher. Ich bin gleichzeitig traurig, nervös und fröhlich. Kann man das? Vielleicht kann ich es deshalb nicht beschreiben.

Ich fühle mich bereit, aber ich werde es vermissen. Habe so viel erlebt und so viel zu erzählen: 1000 Geschichten. Habe ein anderes Leben gelebt und mich ein bisschen mehr gefunden. Mir sind Flügel gewachsen. Aber einen Teil von mir lasse ich hier: Einen Teil meines Herzens. Damit es mein Zuhause bleibt.

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